Das Kurpfälzische Kammerorchester wurde 1952 in Mannheim mit dem Ziel der Wiederentdeckung und Pflege der Mannheimer Schule (1743–1778) gegründet. Heute gilt es als überaus vielseitiger Klangkörper mit einem breiten Repertoire vom Barock bis zur Moderne und besonderen Schwerpunkten in der Frühklassik und Klassik. In der Tradition der Mannheimer Hofkapelle zur Zeit von Kurfürst Carl Theodor ist der Rittersaal im Mannheimer Schloss bis heute die zentrale Spielstätte des Orchesters.
Unter Carl Theodor entwickelte sich Mannheim im 18. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten Musikzentren Europas. Komponisten wie Johann Stamitz, Franz Xaver Richter, Ignaz Holzbauer und Christian Cannabich prägten dort eine neue Orchesterkultur, deren Einfluss bis heute nachwirkt. Mit der Übersiedlung des Hofes nach München im Jahr 1778 geriet diese glanzvolle Zeit zunehmend in Vergessenheit – bis das Kurpfälzische Kammerorchester ihr neues Leben einhauchte.
Nach seinem Gründungsdirigenten Eugen Bodart – Komponist und ehemaliger Generalmusikdirektor des Nationaltheaters Mannheim – prägte vor allem der Komponist und Geiger Wolfgang Hofmann das künstlerische Profil des Orchesters. Unter seiner langjährigen künstlerischen Leitung etablierte sich das Kurpfälzische Kammerorchester als fester Bestandteil der nationalen und internationalen Musiklandschaft. Im unermüdlichen Bestreben, den reichen Schatz der Werke der Mannheimer Schule wieder ans Licht der Öffentlichkeit zu heben, verzeichnete das Ensemble zahlreiche Konzertauftritte, Rundfunk- und Tonaufnahmen sowie Werkeditionen – viele bedeutende Werke fanden so erneut Eingang in die weltweiten Konzertprogramme.
Mit seinen traditionsreichen Eigenreihen der »Mannheimer Schlosskonzerte « im Rittersaal des Mannheimer Schlosses sowie der »Hambacher Schlosskonzerte« im Festsaal des Hambacher Schlosses ist das Kurpfälzische Kammerorchester fest im regionalen Musikleben verankert. Zudem gastiert es regelmäßig in ganz Deutschland und weit darüber hinaus, darunter in renommierten Konzertsälen wie dem Invalidendom in Paris, der Tonhalle Zürich, der Philharmonie Luxembourg
oder dem Seoul Arts Center sowie bei internationalen Festivals. Mit 80 bis 100 Konzertauftritten jährlich hält das Orchester das reiche musikhistorische Erbe der Mannheimer Schule lebendig. Die Zusammenarbeit mit international gefeierten Solist*innen ebenso wie die Förderung musikalischer Nachwuchstalente prägen das künstlerische Selbstverständnis des Ensembles.
Das Kurpfälzische Kammerorchester entwickelt darüber hinaus kontinuierlich neue Konzertformate, die auf eine lebendige Weiterentwicklung in der Vermittlung klassischer Musik abzielen. Spezielle Schulprojekte bringen das komplette Orchester direkt in die Schulen. Überaus beliebt und erfolgreich sind die »Traumkonzerte im Schloss«, die mittlerweile Kultstatus erreicht haben und das Publikum Musik aus einer ungewöhnlichen Perspektive – nämlich im Liegen – erleben lassen.
Seit der Spielzeit 2018|2019 steht Paul Meyer als Chefdirigent an der Spitze des Kurpfälzischen Kammerorchesters. Unter seiner künstlerischen Leitung verbindet das Ensemble die Pflege der Mannheimer Tradition mit einer Öffnung hin zu neuem Repertoire und internationalen Kooperationen, insbesondere im französischen Musikleben.
Paul Meyer zählt zu den herausragendsten Klarinettisten weltweit und konzertiert regelmäßig mit den großen Orchestern in Europa und den USA, in Fernost und Australien. Er ist Widmungsträger von über 20 Welturaufführungen, u. a. den Konzerten von Penderecki, Berio, Corigliano, Thierry Escaich, Qigang Chen oder Michael Jarrell, die Paul Meyer in Salzburg, Amsterdam oder Wien ins Leben rief und die seither im Repertoire sind.
Neben seiner solistischen Karriere ist Paul Meyer seit 1988 international als Dirigent tätig. Er ist Gründer des Orchestre de Chambre d’Alsace, war Assistent von John Carewe beim Northern Junior Philharmonic in England und wurde 2007 von Myung Whun Chung zum »Associate Chief Conductor« des Seoul Philharmonic Orchestra ernannt, dessen internationales Profil er vor allem mit französischem Repertoire und Werken von Roussel, Dukas und Saint-Saëns prägte. Paul Meyer ist Mitbegründer der dortigen Orchesterakademie für junge Nachwuchskünstler*innen. Von 2009 bis 2012 war Paul Meyer Chefdirigent des Tokyo Kosei Wind Orchestra und arbeitet seither mit namhaften Orchestern wie dem Orchestre Philharmonique de Radio France, dem Orchestre Philharmonique de Nice, l’Orchestre National de Bordeaux, den Hamburger Sinfonikern, dem Royal Flemish Philharmonik, Tokyo Philharmonic Orchestra, Danish Symphony Orchestra oder auch dem China Philharmonic Orchestra.
Sein bisheriges künstlerisches Schaffen ist auf mehr als 50 CD-Einspielungen bei führenden Labels dokumentiert, darunter DGG, Sony, RCA, EMI und Virgin; hierfür wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wie z.B. Fono-Forum, Diapason d’Or, Choc du Monde de la Musique, Gramophon und Grammy Awards. Nennenswert sind vor allem seine Einspielungen als Dirigent mit der Camerata Padova (Klavierkonzerte von Mozart und Haydn mit JM Luisada), mit dem Orchestra Philharmonique Royal de Liège (Werke von Darius Milhaud), dem Brussels Philharmonic (Werke von Corigliano & Carter), mit der Staatskapelle Weimar (Cellokonzert Elgar & Walton) sowie Hornkonzerte verschiedener Epochen mit dem Stuttgarter Kammerorchester und die hocherfolgreiche CD »Bolero de Meyer« mit dem Tokyo Kosei Orchestra. Preisgekrönt ist seine Reihe von Play-Conduct Einspielungen mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne.
In der Reihe der von Paul Meyer bisher dirigierten Kammerorchester sind u. a. folgende zu nennen: Orchestre de Chambre de Paris, Scottish Chamber Orchestra, English Chamber Orchestra, Stockholm Chamber Orchestra, Prague Philharmonia, Prager Kammerorchester, Sinfonia Varsovia, Stuttgarter Kammerorchester, Münchener Kammerorchester.
2012 verlieh der französische Staat Paul Meyer für seine bisherigen musikalischen Verdienste die höchste kulturelle Auszeichnung des »Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres«.
Seit der Spielzeit 2019 ı 2020 ist Paul Meyer in der Nachfolge von Johannes Schlaefli Chefdirigent des Kurpfälzischen Kammerorchesters.
Johann Bernhard Bach (1676‒1749)
Orchestersuite Nr. 1 g-Moll
Petro Antonio Locatelli (1695‒1764)
Concerto grosso f-Moll op. 1, Nr. 8 „Weihnachtskonzert“
Jan Dismas Zelenka (1679‒1745)
Sinfonia à 8 concertanti a-Moll ZWV 189
Johann Joseph Fux (1660‒1741)
Ouvertüre d-Moll
Francesco Manfredini (1684‒1762)
Concerto grosso C-Dur op. 3, Nr. 12 „Per il Santissimo Natale“
Johann Sebastian Bach (1685‒1750)
Brandenburgisches Konzert Nr. 5 D-Dur BWV 1050
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